hauskreis4

Sonnenuntergang1

 


Christ und Zehnter

Welchen Teil ein Christ von seinem Einkommen in die Gemeindekasse bzw. in das Reich Gottes ein- legen sollte, ist unter GlĂ€ubigen verschiedenster Konfessionen und Gruppierungen umstritten; bei vie-len gilt es als Gesetz: „Jesus hat den Zehnten nicht abgeschafft und von daher muß er eingehalten werden. Zudem wĂŒrde man bei Nichteinhaltung Gottes Segen verlieren.“ DarĂŒber hinaus kommen dann noch zusĂ€tzliche Spenden, z.B. an ĂŒberörtliche Werke, hinzu.  Wir möchten natĂŒrlich ernsthaft nach Gottes Willen in dieser Sache fragen!

Es sollen nun zur Behandlung dieses Themas mehrere Fragen aufgestellt werden, die uns helfen, Gottes Wort und Jesu Absicht fĂŒr uns, besser verstehen zu können. 

1. Wo taucht der Zehnte zum ersten Mal in der Bibel auf?
2. Wozu wurde der Zehnte gebraucht?
3. Wie stand Jesus Christus zum Zehnten?
4. Was sagt das NT uns Christen zum Zehnten bzw. zur Geldspende? 

Einleitung:

Bevor die Fragen gestellt und nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet werden, möchte ich gerne kurz grundsÀtzliches zur Bibelauslegung (Hermeneutik) sagen. Es ist von entscheidender Bedeutung, in welchem VerhÀltnis Alter und Neuer Bund bzw. das alttestamentliche und das neutestamentliche Volk (Gemeinde) zueinander betrachtet werden. Da wir als Christen Teilhaber des Neuen Bundes sind, unterstehen wir nicht mehr den Satzungen des Alten Bundes (Eph.2, 15; Kol. 2, 14.20).
Auch ist mit dem neuen Bund etwas vollkommen neues entstanden (Röm. 7,6; 2.Kor. 3, 6; 5, 17), der alte Bund ist hinfÀllig geworden (Hebr. 8, 13; 9, 15; 12, 24).
Da die Gemeinde nun Erbe und Teilhaber des neuen Bundes ist, untersteht sie zwangslĂ€ufig nicht mehr dem vergangenen Bund. Jesus Christus hat fĂŒr uns sein Blut vergossen, so dass wir nun unter dem neuen Bund (aus Gnade) stehen dĂŒrfen (Mt. 26, 28; Mk. 14, 24; Lk. 22, 20; 2. Kor. 3, 6)

Ein Problem in der FrĂŒhgemeinde, die nun aus Juden und Heiden besteht, war die Beeinflußung der von den Nationen (Heiden) herkommenden Geschwister seitens der jĂŒdischen Christen, die z.B. die Beschneidung aus dem alten Bund verbindlich und gesetzlich festlegen wollten. Daher schreibt Paulus auch von „ihr seid aus der Gnade gefallen“ (Gal. 5, 1-5). Wir (Christen) sind die Beschneidung, die Gott im Geist dienen (Röm. 2, 29; Phil. 3, 3)! Die Gemeinde ist ein geistliches Haus, wo jedes Glied, welches als lebendiger Stein bezeichnet wird, geistliche Opfer bringen darf (1. Petr. 2, 5; Kursiv=RH)! Daher werden wir vom Geist geleitet und stehen nicht mehr unter dem Gesetz (Gal. 5, 18). Dies hat zur Folge, das ein NT-GlĂ€ubiger Geistliches geistlich erklĂ€ren kann, im Gegensatz zum natĂŒrlichen Menschen (1. Kor. 2, 13-15). 

„Die Argumentation, das was im NT nicht explizit aufgehoben wurde, gelte noch fĂŒr Christen, ist nicht haltbar. Denn in diesem Fall mĂŒssten auch folgende Gebote heute eingehalten werden:
-Verbot des Scherens des Haarrandes (3. Mo. 19, 27); -Einhaltung des Erlaßjahres mit Tilgung aller Schulden nach 7 Jahren (5.Mo. 15, 1-11; 22, 6-12); -Reinheitsgebote (3.Mo. 15, 1ff; 12, 1-8); -Todesstrafe (5.Mo. 21,18ff); GelĂŒbde (3.Mo. 27,1ff); Schwagerehe (5.Mo. 25, 5ff); PrĂŒgelstrafe (5.Mo. 25,1-4).“ 1 Dem möchte ich noch das Sabbatgebot hinzufĂŒgen. 

Wir mĂŒssen schon darauf achten, wer was und zu wem in der Bibel gesagt hat. Dann dĂŒrfen wir uns fragen, in welcher Hinsicht wir selbst als heutige Christen angesprochen werden. Die RadikalitĂ€t des neuen Bundes ist in Teilen des Christentums bis heute nicht verstanden worden. In vielen christlichen Gruppierungen haben Bestimmungen, Gesetze, Äußerlichkeiten und Traditionen des alten Bundes immer noch zu einem bestimmten Teil Bestand und blockieren daher die Auswirkungen und Segnungen des neuen Bundes. Zu nennen wĂ€ren da der Sabbat, Speise und Verhaltensvorschriften, Kleidungsvorschriften, der Klerus bzw. christliche Expertengremien (2 Klassenherrschaft), teure KirchengebĂ€ude (als christliche Tempel betrachtet), zentralisierte Oberbehörden mit dem damit verbundenen Verwaltungsapparat (Ökumene, Synoden, Bundleitungen u.Ă€.) und eben auch der Zehnte.
Das soll nun nicht bedeuten, dass VersammlungshĂ€user abgeschafft noch Theologen/Gemeindeverantwortliche ins schlechte Licht gerĂŒckt werden sollen.
Aber die Frage sei doch erlaubt: Sind viele der „ungeschriebenen Gesetze“ geistlich zu begrĂŒnden, oder liegt die Ursache dafĂŒr in unserer Bequemlichkeit, PrĂ€gung, Tradition oder sĂŒndhaften GesetzmĂ€ĂŸigkeit ?

1 R. Senk:Christ, Gemeinde, Besitz und Geld im Licht der Bibel; S.1 Einleitung (http://begowl.de/  >   Artikel> Besitz.pdf)

Wenn man o.g. Punkte betrachtet, wird die Frage aufkommen, wem wir als einzelne GlÀubige dienen:
dem Herrn oder Menschen? Leitende BrĂŒder prĂŒfen sich bitte selbst: Herrsche oder diene ich? Selbst der Apostel Paulus, trotz seiner von Gott gegebenen AutoritĂ€t (Verfasser vieler NT-Briefe), war ein vorbildlicher Diener und Glaubensvater (Apg. 20, 18-35; 2. Kor. 2, 4; 11, 1-9).
Die Apostel wurden sogar als „letzte Menschen“ tituliert (1.Kor. 4, 9) und sie suchten nicht die Ehre bei den Menschen (1.Thes. 2, 6). Den Ältesten wurde gesagt, das sie nicht nach weltlichen MaßstĂ€ben herrschen sollten, sondern der Herde (Versammlung/Gemeinde) Vorbilder seien (1. Petr. 5, 1-4; vgl. Markus 10, 42-45 !).
Auf dem berĂŒhmten Apostelkonzil in Jerusalem, wo es darum ging, was man den (Heiden)-Christen zu -muten könnte, ist von einem Zehnten erst gar nicht die Rede. In dieser Übergangszeit, wo der Neue Bund gefestigt werden sollte, wĂ€re dies aber eminent wichtig fĂŒr die Gemeinde gewesen, wenn der Zehnte auch als Gesetz fĂŒr die Christen GĂŒltigkeit hĂ€tte (Apg. 15, 1-2; 28-29).
Dabei ist zu beachten, das die Apostel mit den Propheten und Jesus Christus als Eckstein das Fundament unseres Glaubens bilden (Eph. 2, 19-22; 1. Petr. 2, 6) und die Apostel direkt von Jesus Christus eingesetzt wurden (Lk. 6, 13; Joh. 6, 70; Apg. 1, 2)!  Zu dieser Zeit gab es nur das Alte Testament in schriftlicher Form, das Neue Testament noch nicht. Die Urchristen waren daher im besonderen von göttlich autoritĂ€rer Übermittlung und Leitung abhĂ€ngig. Dies ist heute durch die vollstĂ€ndig vorliegende Heilige Schrift alten und neuen Testamentes nicht mehr gegeben. Die heutigen Ältesten und Leiter sind nachapostolische Diener des Wortes; in diesem Sinn sollte auch der vielzitierte Vers aus Hebr. 13,17 gelesen werden, mittels derer sich mache Leiter, GlĂ€ubige untertan machen möchten.
Jesus Christus hat den Begriff Herrschaft auch vollkommen neu definiert: In der Welt bedeutet Herrschaft UnterdrĂŒckung vieler und MachtausĂŒbung weniger Menschen; in der Gemeinde des Herrn dienen in Demut zum Nutzen aller Glieder des Leibes (Mark. 10, 42-45; Lk. 22, 24-27; 1.Kor.12, 7.14. 20; 22-31; Eph. 4, 2; Phil. 2, 3; Kol. 2, 16-23; 3, 12; 1. Petr. 5, 5). 

Nun zu den Fragen im Einzelnen. 

zu 1: Wo taucht der Zehnte zum ersten Mal in der Bibel auf ?:

Die Bibel berichtet uns davon, das Abraham als erster seinen Zehnten gab ( 1. Mo. 14, 20; vgl. Hebr. 7, 1ff). Dies geschah gegenĂŒber Melchisedek; dem er den zehnten Teil von allem ĂŒberließ!
Was auffÀllt ist folgendes: Er gab ihn freiwillig; Gott gab ihm keine Anweisung dies zu tun, und es scheint so, das es nur dieses eine Mal war, das er dies tat. Gott befahl ihm dies jedenfalls nicht.
Als zweiter wird Jakob erwÀhnt, der in Bethel Gott gelobte, den Zehnten seines ganzen Erwerbs zu geben (1. Mo. 28, 20-22). Auch hierbei ging es um eine einmalige freiwillige Abgabe; es entstand keine Sitte oder Gesetz daraus, die dann vom Volk eingehalten wurde! Das geschah erst spÀter.
„Auch wenn in Hebr. 5 und 7 das Priesteramt des Melchisedek mit dem des Christus verglichen wird, kann daraus nicht (indirekt ĂŒber „fĂŒnf Ecken“) abgeleitet werden, dass die Gemeinde nun den Zehnten zu spenden hat.“ (R.Senk, S. 2).
In einem anderen Artikel wird folgendes zur Thematik berichtet:
„Vor dem Bericht ĂŒber die Schliessung des Gesetzesbundes ist in der Bibel zweimal vom Entrichten des Zehnten an GOTT bzw. an seinen Vertreter die Rede. Der erste Fall betrifft Abraham, der Melchisedek den zehnten dessen gab, was er bei seinem Sieg ĂŒber Kedorlaomer und seine VerbĂŒndeten erbeutet hatte (1. Mose 14,18-20). Der Apostel Paulus fĂŒhrt diese Begebenheit an, um zu beweisen,  dass CHRISTI Priestertum nach der Weise Melchisedeks besser ist als das Priestertum Levis, weil in Wirklichkeit, Levi - damals noch in den Lenden Abrahams - Melchisedek den Zehnten entrichtete  (HebrĂ€er 7,4-10). Der zweite Fall betrifft Jakob, der in Bethel gelobt hatte, GOTT den Zehnten seines ganzen Erwerbs zu geben (1. Mose 28,20-22).
In diesen beiden FĂ€llen wurde der Zehnte jedoch freiwillig gegeben. Nirgendwo wird berichtet, Abraham oder Jakob habe eine Gepflogenheit, eine Sitte oder ein Gesetz eingefĂŒhrt, das seine Nachkommen verpflichtet hĂ€tte, seinem Beispiel zu folgen. Jakob hĂ€tte gar nicht zu geloben brauchen, den Zehnten zu geben, wenn es bereits seine Pflicht und Schuldigkeit gewesen wĂ€re. Die Zehntgabe war bei den alten HebrĂ€ern offensichtlich weder Sitte noch Gesetz. Sie wurde erst mit der Einweihung des Gesetzesbundes eingefĂŒhrt.“2  
„Man kann Abrahams Aktion gewissermaßen damit vergleichen, als hĂ€tte man im Lotto gewonnen oder eine PrĂ€mie vom Arbeitgeber erhalten und hĂ€tte davon den Zehnten gegeben.“ 3
AnfĂŒgen möchte ich, dass die umliegenden LĂ€nder zu biblischen Zeiten oftmals eine Zehntenabgabe praktizierten, wie die Araber, Griechen, Römer, Perser, Karthager u.a.. Es handelte sich also nicht um eine exklusive jĂŒdische Sitte, sondern einen allgemeinen Brauch. NatĂŒrlich bleibt dennoch festzuhalten, dass der Herr im Alten Bund die Abgabe der Zehnten fĂŒr die Juden anordnete. 

2 Artikel „Der Zehnte“; leider ohne Quellenangabe und Nennung des Verfassers
3 Frank Viola: Der krumme Weg (Heidnische EinflĂŒsse im Christentum/Über die UrsprĂŒnge unserer  Gemeindetraditionen); S. 232

zu 2: Wozu wurde der Zehnte gebraucht?

Ich zitiere R. Senk dazu:“ Der Zehnte war eine feste Ordnung im Gesetz des Alten Testament. Von allen Erzeugnissen und allem Vieh etc. musste man den 10ten Teil dem HERRN abgeben (3.Mo.27,30-32). Dies war vor allem fĂŒr den Lebensunterhalt der Leviten gedacht, die ja kein Erbteil an Kanaan bekamen (5.Mo.18, 1-2), sondern an der StiftshĂŒtte (dem Tempel) dienten (4.Mo. 18, 21-24). Die Leviten wiederum mussten aus gleichen GrĂŒnden von ihrem 10ten den 10ten Teil an die Priester abgeben (4.Mo. 18, 21-32). Dies alles geschah jĂ€hrlich.
Alle drei Jahre (2 x in 7 Jahren) sollte ein Fest der Israeliten mit den Leviten zusammen gefeiert werden (5.Mo.12, 5-18; 14, 22-29), und alle drei Jahre musste man fĂŒr die Leviten, aber auch fĂŒr Fremde, Weisen und Witwen, den Zehnten geben (5.Mo.14, 27-29). Es gab also drei Kategorien des Zehnten im Alten Testament. Die Nichteinhaltung dieser Bestimmungen bedeutete, Gott selber zu berauben und den Segen zu verlieren (vgl. Mal.3, 7-12; vgl. 5.Mo.28 – dies gilt im  Prinzip fĂŒr alle Gebote Gottes).
Der Zehnte war also eine Art „Sozialversicherung fĂŒr BedĂŒrftige“ und „Steuer fĂŒr die Priester und Leviten“. Es war ein „Finanzierungssystem der alttestamentlichen Theokratie“. Schon von diesen inhaltlich-theologischen „Zweckgebundenheiten“, die ja im Neuen Bund so nicht mehr gegeben sind, kann und darf man dies nicht einfach auf die Gemeinde und die neue Heilszeit ĂŒbertragen.“ (Senk, S.1). 4 

Nun zitiere ich noch einen anderen Autor, der folgendes zu den verschiedenen (!!) Zehnten schreibt:
„Gott gab dem frĂŒhen Israel in den 5 BĂŒchern Mose sodann eine klare Steuergesetzgebung. Dazu gehörten drei Zehntenzahlungen:
1) zehn Prozent aller ErtrĂ€ge des Landes wurden pro Jahr abgegeben als Lohn fĂŒr die landlosen, levitischen Priester und ihren Tempeldienst (die wiederum ihrerseits 10% in die LagerhĂ€user des Tempels zu bringen hatten) (3. Mose 27, 30-33; 4. Mose 18, 21-31).
2) Zehn weitere Prozent pro Jahr waren fĂŒr die Finanzierung des ausserordentlich aufwendigen Systems von jĂŒdischen Festen aufzubringen (5 Mose 14, 22-27). Von diesem „Festzehnten“ konnte man aus GrĂŒnden der Logistik die entsprechenden ErtrĂ€ge auch zu Hause verkaufen und zu Geld machen, sich dann auf den Weg nach Jerusalem begeben und dort mit dem Geld wieder die Dinge kaufen, die fĂŒr das Fest benötigt wurden.
3) Schließlich gab es die Vorschrift eines Armenzehnten (5. Mose 14, 28-29; 26, 12-13), der nur alle 3 Jahre, im sog. „Zehntjahr“, zusĂ€tzlich abzugeben war. Dieser Ă€hnelte einer Sozialversicherungsabgabe, denn er war bestimmt fĂŒr die lokalen Leviten sowie Waisen, Witwen, Arme und Fremdlinge vor Ort.
Die Abgabebelastung der jĂŒdischen Familie lag also bei durchschnittlich 23,3% des Bruttoertrages pro Jahr. Der berĂŒhmte „Zehnten-Vers“ aus Maleachi 3,10 sagt demgemĂ€ss auch nicht: bringt den Zehn-ten“ (Einzahl), sondern „die Zehnten (Plural)* in mein Haus“. Wer damals „zehntete“, gab also 23,3% brutto, nicht etwa 10% netto. (* s. alle Luther Übersetzungen; RH)
it der EinfĂŒhrung der Monarchie zur Zeit Sauls wurde zudem eine vierte Abgabe fĂ€llig, der sogenannte Königszehnte, der den Steuersatz sogar auf 33,3% p.a. hob. Dies war eine politisch-militĂ€rische Steuer, die das Königtum, einen Hofstaat und alle militĂ€rischen und sonstigen Eskapaden des Königs zu finanzieren hatte.“ 5  
Das Volk Gottes hielt den Zehnten zurĂŒck und unterdrĂŒckte damit die BedĂŒrftigen! Die UnterdrĂŒckung der Armen - darauf legt Gott seinen Zeigefinger! Wenn ein Großteil der BĂŒrger Deutschlands keine Einkommenssteuer mehr bezahlen wĂŒrde, wĂ€re dies wie Diebstahl und Steuerhinterziehung!
Außerdem, wie beschrieben, ging es im AT nicht um 10% Abgabe sondern um mindestens 23,3%, weil es nicht einen sondern mehrere Zehnte gab ! 

Eine gute ErklĂ€rung gibt folgender Autor wider: „Man beachte, dass Gott Israel geboten hatte nicht zehn, sondern 23,3% Prozent seines jĂ€hrlichen Einkommens zu geben (20% jĂ€hrlich und 10% alle drei Jahre ergeben 23,3% pro Jahr. Gott ordnete alle drei Zehnten an (Neh. 12, 44;Mal. 3, 8-12; Hebr. 7, 5)). Diese Zehnten setzten sich zusammen aus dem Ertrag des Landes, also der Saat, der Ernte und der Viehherde. Es ging um den Ertrag des Landes, nicht um Geld. Hier kann eine klare Parallele gezogen werden zwischen Israels Ordnung des Zehnten und dem Steuersystem in den Vereinigten Staaten unserer Zeit. Israel war verpflichtet, nationale Arbeiter (Priester), Feiertage (Feste) und die Armen (Fremde, Witwen und Waisen)durch jĂ€hrliche Zehnte zu unterstĂŒtzen. Die meisten modernen Steuersysteme dienen dem gleichen Zweck. Mit Jesus wurden auch sĂ€mtliche zeremoniellen, staatlichen und religiösen Vorschriften der Juden ans Kreuz genagelt und begraben. Und zwar so, dass sie nie wieder auftauchen und uns anklagen. Aus diesem Grund finden wir im Neuen Testament nicht mehr Christen, die den Zehnten geben, als solche, die Ziegen und Böcke zur Tilgung von SĂŒnden opfern, nĂ€mlich – keine.“ 6 

4 vgl. John MacArthur Studienbibel; Kommentar zu Maleachi 3, 8-12; 3, 10 und 2. Kor. 8, 3
5 Artikel: „Wie wir vom reglementierten zum befreiten Geben kommen“
6 Frank Viola: Der krumme Weg ; S. 231

Die wichtigste Belegstelle fĂŒr die Zehnten-BefĂŒrworter steht denn auch im AT, in Maleachi 3.  
R.H. Edenharder, der sich intensiv mit der Thematik befasst hat (s. Literaturempfehlung), bemerkt folgendes:
„Meiner Meinung nach wird ein angemessenes VerstĂ€ndnis erst dann möglich, wenn die Personen korrekt identifiziert werden, zu denen der Prophet Maleachi spricht. Die erste Adressatengruppe ist offensichtlich das gesamte Volk Israel (Juda) (vgl. Mal. 1, 1-5) - alle Menschen des Volkes Gottes sollten wissen, was der Prophet bzw. Gott wollte. Die zweite Adressatengruppe sind die Priester: Ab Kapitel 1, 6 bis zum Ende des Buches spricht Gott zu ihnen. In 1, 6 heißt es:...Es spricht der HERR der Heerscharen zu euch, ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet. In 2, 1 heißt es: Und nun ergeht ĂŒber euch, ihr Priester, dieser Beschluss. Die Tatsache, dass der Prophet ab Maleachi 1, 6 die Priester, nicht mehr aber das ganze Volk anspricht, ist fĂŒr die korrekte Interpretation von Maleachi 3, 8-10 (mit) entscheidend,...“ 7
„Der Vers 9 stellt allerdings ein Problem dar. Die mir bekannten deutschen BibelĂŒbersetzungen formulieren: „Ihr betrĂŒgt mich, ihr, das ganze Volk.“ In der dem Urtext stĂ€rker angenĂ€herten Übersetzung von Buber und Rosenzweig heißt es jedoch: Mit dem Fluch seid ihr verflucht, und mich wollt ihr noch prellen, du Stamm allesamt!  Diese Übersetzung macht deutlich, dass nicht das ganze Volk Israel (Juda) gemeint ist, sondern ein bestimmter Stamm, der Stamm Levi, zu dem die Priester gehörten.“ 8
Die Aufforderung in Vers 10 „Bringt den Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Hause Speise sei...“ gilt somit wieder ausschließlich den Priestern, nicht aber dem ganzen Volk. Was war geschehen?
Nach Nehemia 13, 7-12 war der „Zehnte“ von den Priestern gestohlen worden. In Maleachi 3, 10a werden sie aufgefordert, das gesamte gestohlene Gut wieder zurĂŒckzubringen. Dieses Gut bestand ausschließlich aus Lebensmitteln, die fĂŒr die Verpflegung der Priester und Leviten wĂ€hrend der einen Woche ihres turnusmĂ€ĂŸigen Dienstes gedacht waren (1 Woche in 24 Wochen). Da die Verpflegung fĂŒr die Leviten (Assistenten der Priester, SĂ€nger, WĂ€chter, Bauleute und Handwerker aller Art) nicht vorhanden war, waren diese in ihre lĂ€ndliche Heimat geflohen (vgl. Neh. 13, 10). Die Konsequenz war der Zusammenbruch des Tempeldienstes, der HERR konnte nicht mehr so geehrt werden, wie das im Gesetz angeordnet war, sein Wille war gewissermaßen ausgehebelt worden - kleine Ursache, große Wirkung. GemĂ€ĂŸ dem im Bundesschluß enthaltenen Gesetz von Segen und Fluch wurde jetzt von Gott der Fluch ĂŒber die Priester ausgesprochen (Vers 9).   9
Soweit Rudolf H. Edenharder auszugsweise aus seinem Buch „Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen - Dogma, Tabu und die Folgen.  

Als Christen dĂŒrfen wir uns folgende Fragen stellen:

-Gilt der alte Bund oder Teile daraus noch uns?
-Sind die Christen nur in einem Land versammelt und BĂŒrger desgleichen, um eine Art Einkommenssteuer (Zehnten) zu zahlen; also so wie es im Alten Bund bei Israel war?
-Haben wir ein Zentralheiligtum , dem wir finanziell verpflichtet sind?
-Haben Christen nur 1 irdischen König, der zu finanzieren ist?
-MĂŒssen wir, neben der Zehntenabgabe, nicht auch die Reinheits und Sabbatgebote halten? 

Wir dĂŒrfen und sollten Anbetung in Geist und Wahrheit praktizieren (s. Joh. 4, 19-26) !
Da jeder Christ BĂŒrger eines bestimmten Staates ist, hat er sich der jeweiligen Obrigkeit zu unterstellen (Röm. 13), sofern dies nicht Gottes Geboten widerspricht (Apg. 5, 29). Dazu zĂ€hlt dann auch die geforderte Steuerabgabe und z.B. in diesem Sinne eine korrekte EinkommenssteuererklĂ€rung. 10

Im alten Bund war es Gott selbst, der die Zehnten anordnete. Die Zehntenabgabe ist also biblisch, aber, wie wir noch sehen werden, nicht christlich!

Darf ein Mensch einem anderen, der im Neuen Bund lebt, dazu auffordern, den(?) Zehnten in eine bestimmte Gemeindekasse zu zahlen? Er ordnet immerhin damit an, wie viel und wozu der GlĂ€ubige sein ihm anvertrautes Geld einzusetzen hat! Oft wird noch, bei Nichteinhaltung seitens des GlĂ€ubigen,  mit dem Verlust von Gottes Segen gedroht bzw. zumindest den Geschwistern ein schlechtes Gewissen gemacht !  Zum Beispiel mit Mal. 3, 9. Aber Jesus Christus ist uns zum Fluch geworden (Gal. 3, 13-14), wie können wir als Christen dann noch unter einen Fluch Gottes kommen (vgl. Röm. 8, 32-34) ?
Wer sich bis dato noch keine Gedanken ĂŒber diese Praxis gemacht hat, und das werden vielleicht viele sein, möge dies bitte unter PrĂŒfung von Gottes Wort tun. 

  7 R.H. Edenharder: Der Zehnte, S. 70
  8 R.H. Edenharder: Der Zehnte, S. 76
  9 R.H. Edenharder: Der Zehnte, S. 77
10 vgl. John MacArthur Studienbibel, Kommentar zu Mt. 22, 21; Kommentar zu Röm. 13, 1-7

zu 3: Wie stand Jesus Christus zum Zehnten?
Die Heilige Schrift sagt uns, das alles Leben und alles was wir an natĂŒrlichen, geistlichen und materiellen Gaben haben, von Gott selbst kommt (1.Kor. 4, 7). Aber wir geben nicht alles an andere ab.
In der Urgemeinde sorgten die GlĂ€ubigen sich, mit allem was sie hatten, um die Geschwister  (Apg. 4, 32). Das finden wir heute grĂ¶ĂŸtenteils in unseren Gemeinden so leider nicht wider; meist fehlt auch die enge persönliche Beziehung zueinander bzw. sind die Gemeindestrukturen mehr organisatorischer als organischer Art. Zudem ist das Leben heute wohl tatsĂ€chlich komplizierter und verwirrender geworden. 

Jesus Christus selbst hat nur wenige Andeutungen in Bezug auf den Zehnten gemacht. Allerdings war zu dieser Zeit der neue Bund noch nicht in Kraft, der alte Bund galt also noch!  Beispiele sind Mt.23, 23; Lk. 18, 12; Hebr. 7, 5.6.9. Im Mt.-Evangelium geht es im Prinzip gar nicht um das Geben des Zehnten, sondern um die Herzenseinstellung des PharisĂ€ers. Jesus stellt hier die Herzensmotivation an erste Stelle und verurteilt einen Glauben strikt nach dem Buchstaben, den die PharisĂ€er durch ihre „unzĂ€hligen“ Gesetze zu einer nicht tragenden Last fĂŒr die „einfachen Leute“ ausweiteten. Auf diese Art und Weise wird ein Herzensglauben im Keim erstickt. Jesus hat doch selbst gesagt: „Ich möchte Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer!“ (Mt. 9, 13; 12, 7; vgl. Hos. 6, 6). Auch sprach er vom großen Opfer (Scherflein) der Witwe, um ein Beispiel fĂŒr seine JĂŒnger zu geben (s. Mk. 12, 41-44).

zu 4: Was sagt das NT uns Christen zum Zehnten bzw. zur Geldspende?
In einem christlichen Internet Forum las ich folgendes: „Wo die Liebe vorhanden ist und uns antreibt, geben wir gerne und rechnen nicht viel hin und her, gleichgĂŒltig ob wir arm oder reich sind. Der Herr sieht das Herz des Gebers an.  Wer dem Herrn aus fröhlichem Herzen gibt, kommt niemals zu kurz.“ 11
GrundsĂ€tzlich werden wir feststellen, dass das NT keine einzige Forderung zum Geben des Zehnten fĂŒr die Christen macht !   Im NT wird der Zehnte 4x angefĂŒhrt und betrifft dabei nie die Christen!
Auf dem, von mir zuvor schon genannten Apostelkonzil in Jerusalem, wurde folgendes beschlossen: „Es hat nĂ€mlich dem Heiligen Geist und uns gefallen, euch keine weitere Last aufzuerlegen, außer diesen notwendigen Dingen, daß ihr euch enthaltet von Götzenopfern und von Blut und vom Erstickten und von Unzucht; wenn ihr euch davor bewahrt, so handelt ihr recht. Lebt wohl!“  (Apg. 15, 28-29). Nichts zu lesen von der Zehntenabgabe, dem Sabbathalten, der Beschneidung, allgemeinen Speisevorschriften, einer Kleidungsordnung. Das neue Testament lĂ€ĂŸt diesbezĂŒglich einiges offen, was uns Sorge bereitet.
Der Zehnte wird in den paulinischen Briefen, die die rechte Anbetung und Verhaltensweisen in der Ge -meinde behandeln, gar nicht angefĂŒhrt! Ebenso verhĂ€lt es sich mit dem Sabbat, der Beschneidung, den Speisen. Wenn der Zehnte aber so wichtig fĂŒr die Gemeinde wĂ€re, mĂŒsste er doch unbedingt ErwĂ€hnung finden. Übrigens besitzen spĂ€tere Kirchen-„Konzile“ keine apostolische Vollmacht! Nur dieses eine in Apg. 15!  Die Leviten verrichteten bekanntermaßen noch bis zur Zerstörung des Tempels (70 n.Chr.) ihren Dienst, doch wir Christen wurden von ca. 30 n.Chr. an, Glieder einer neuen  Priesterschaft, die nicht durch eine Zehntenabgabe unterhalten wurde (Röm. 6, 14; Hebr. 7, 12; 1.Petr. 2, 9).
Übrigens bezahlen die Juden der Moderne in den USA keinen Zehnten. Es gibt keinen Tempeldienst, keine Leviten und Priester mehr. Erst bei einem Wiederaufbau des Tempels wĂŒrde sich dies Ă€ndern. Wer sind nach dem NT der Tempel und die Priester?  Die Versammlung und einzelnen Christen !! Der große Heidenapostel Paulus bemĂŒhte sich darum, der Gemeinde finanziell nicht zur Last zu fallen (Apg. 18, 3; 20, 33-35; 1.Thess. 2, 9). Er arbeitete als Zeltmacher. Seine TĂ€tigkeit ist auch ein Hinweis auf die Pilgerschaft der Gemeinde in der Welt.
Erst spĂ€ter, um das achte Jahrhundert, wurde die Zehntenabgabe fĂŒr den bestehenden Klerus eingefordert. Zuerst hatten die Staaten in Westeuropa ihn schon als Steuer von den BĂŒrgern eingefordert. Davor wurde er von den GlĂ€ubigen als freiwilliges Opfer gegeben bzw. war die Höhe der Spende frei.
Nun hat sich die Gemeinde also in der Welt seit langem „eingenistet“. Sie hat ihre „Pilgerstruktur“  oftmals aufgegeben und ist in teilweise große Konfessionen aufgegangen.
Seit Jahrzehnten gibt es zudem große Anstrengungen, die organisierte Einheit der Christen (Ökumene) herzustellen. Wer sich dafĂŒr einsetzt kennt augenscheinlich das Wesen der Gemeinde gar nicht. Es gibt immer wieder Christen, die die organische Struktur der Gemeinde betonen, aber leider verhallt ihr Ruf oft in alle Winde...
Das Wort sagt uns: „Daran wird jedermann erkennen, daß ihr meine JĂŒnger seid, wenn ihr Liebe unter -einander habt“ (Joh. 13, 35); vgl. 1. Thess. 3, 12; 1. Petr. 4, 8.  Dies untergrĂ€bt nicht rechte Lehre! Schon der Philosoph Galenus von Pergamon sagte ĂŒber die damaligen Christen: „Seht, wie sie einander lieb haben.“
Wie verhielt sich eigentlich die Ur- bzw. FrĂŒhgemeinde in Punkto Finanzen und gegenseitiger Hilfestellung?

11 Quelle: http://jesus.aktiv-forum.com/neues-testament-f6/wie-verhalt-es-sich-mit-dem-zehnten-geben-im-neuen-testament-t128.htm

Voranstellen möchte ich, dass die Gemeinde o. besser Versammlung (ecclesia), damals eine organische Struktur hatte. Was heißt das eigentlich?: Dort gab es keine bezahlten Priester mehr, denn jeder ist nun im Neuen Bund ein Priester: “so laßt auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefĂ€llig sind durch Jesus Christus“.... „Ihr aber seid ein auserwĂ€hltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkĂŒndet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht“ (1. Petr. 2, 5.9)......“uns zu Königen und Priestern gemacht hat fĂŒr seinen Gott und Vater (Off. 1, 6a).... „hast uns zu Königen und Priestern  gemacht fĂŒr unseren Gott“  (Off. 5, 10a).
Jesus Christus hat seinen Kindern Freiheit geschenkt; in dieser Freiheit sollen und dĂŒrfen wir leben! Was dies bedeutet, sagen Verse aus dem Galaterbrief aus:  „1 So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und laßt euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen!.. 13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen, BrĂŒder; nur macht die Freiheit nicht zu einem Vorwand fĂŒr das Fleisch, sondern dient einander durch die Liebe. 14 Denn das ganze Gesetz wird in einem Wort erfĂŒllt, in dem: »Du sollst deinen NĂ€chsten lieben wie dich selbst«.....“16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen.“ (aus Gal. 5).
So gibt Gott auch die Gaben zur Erbauung der ganzen Versammlung: „7 Jedem wird aber das offensi-chtliche Wirken des Geistes zum[allgemeinen] Nutzen verliehen“. Der Leib Christi (Versammlung, RH)besteht aus Gliedern, die fĂŒreinander Sorge tragen: „18 Nun aber hat Gott die Glieder, jedes einzelne von ihnen, so im Leib eingefĂŒgt, wie er gewollt hat. 19 Wenn aber alles ein Glied wĂ€re, wo bliebe der Leib? 20 Nun aber gibt es zwar viele Glieder, doch nur einen Leib.“  Die geringeren Glieder erhalten sogar, im Kontrast zur Welt, einen höheren Wert: „...24b Gott aber hat den Leib so zusammengefĂŒgt, daß er dem geringeren Glied um so grĂ¶ĂŸere Ehre gab, 25 damit es keinen Zwiespalt im Leib gebe, sondern die Glieder gleichermaßen fĂŒreinander sorgen.“ (aus 1. Kor. 12).
Auch wenn wir das Wesen der FrĂŒhgemeinde nicht in einem absolut geistlich positiven Licht sehen sollten, wurde dies oben beschriebene auch zu einem gewissen Teil ausgelebt:  „Und sie blieben bestĂ€ndig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten. Es kam aber Furcht ĂŒber alle Seelen, und viele Wunder und Zeichen geschahen durch die Apostel. Alle GlĂ€ubigen waren aber beisammen und hatten alle Dinge gemeinsam;  sie verkauften die GĂŒter und BesitztĂŒmer und verteilten sie unter alle, je nachdem einer bedĂŒrftig war.  Und jeden Tag waren sie bestĂ€ndig und einmĂŒtig im Tempel und brachen das Brot in den HĂ€usern, nahmen die Speise mit Frohlocken und in Einfalt des Herzens; sielobten Gott und waren angesehen bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat tĂ€glich die zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“ (Apg. 2, 42-47; U=RH).
Diese Situation war allerdings einmalig und wurde nicht zur Norm gemacht. Die Geisteshaltung aber, die dahinter stand, bewirkte Frucht.
Was Kollekten anbelangt, die ca. 1622 in der Christenheit eingefĂŒhrt wurden, dĂŒrfte man folgenden Rat in ErwĂ€gung ziehen: „Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, er wird es dir öffentlich vergelten“ (Mt. 6, 3-4;U=RH). Besser ist es, wenn auch Geschwister nicht sehen, welchen Betrag einer gibt. So kann man unnĂŒtzes GeschwĂ€tz und Beeinflussung vermeiden.
Wie zur BestĂ€tigung betonen diese Verse, das man eben nicht nach einem bestimmten Schema vorgehen muß  (rein rechnerisch quasi), sondern seinem Herzen gemĂ€ĂŸ handeln sollte.
Auch ist es doch bedenklich, wenn man meint, durch die Abgabe des Zehnten könnte man Gottes Segen oder gar Wohlstand bewirken. Ist Gott ein Automat, in den man 10% einwirft und dann anschließend Gewinn ĂŒber die eingelegten 10% hinaus erwartet? Bei einem BankgeschĂ€ft mag das so sein.
Außerdem ist die Praxis des Zehntengebens bei wohlhabenden Christen wesentlich bequemer umzusetzen als bei bedĂŒrftigen oder armen Geschwistern. Auch wenn diese oft geberfreundlich sind.
Wo nun Menschen anderen Menschen Vorschriften machen, wird diese Freiheit eingeschrĂ€nkt. Je mehr Regeln nun eine Glaubensrichtung zum (ungeschriebenen) Gesetz macht, umso mehr wird der einzelne wieder ein Knecht und versklavt. Das Verantwortliche dies aus ehrlicher Überzeugung tun und daher glauben, die vorgetragenen biblischen Verse stehen hinter ihrer Praxis, Ă€ndert leider nichts an den Folgen, die daraus entstehen (können).
Das Motto heißt vielfach in verschiedensten Gemeinschaften: Ein guter Christ gibt den Zehnten und zeigt damit seine Hingabe und konsequente Nachfolge. Gibst du den Zehnten, erwartet dich eine Belohnung, verweigerst du ihn, wirst du bestraft. „Der Kern des Evangeliums wird angetastet.“ (F.Viola) An diesem Maßstab gemessen, wĂ€ren die Christen der ersten Jahrhunderte keine hingegebenen und gehorsamen JĂŒnger gewesen!
„Erhebliche Bedenken kamen mir, als ich feststellen mußte, dass das Thema „Der Zehnte“ vielerorts Dogma wie Tabu beinhaltete: daran glauben, ohne nach einer BegrĂŒndung zu fragen, und vor allem nicht darĂŒber reden. Erhebliche Bedenken kamen mir weiter, als ich wie auch andere (Seidenberg, 2003) entdeckte, dass die Androhung des Fluches Gottes (vgl. Mal. 3, 10) manche Menschen in große Not stĂŒrzte und ihrem Glauben schwer schadete. Erhebliche Bedenken kamen mir auch beim Vergleich  der Belegstelle aus Maleachi (und anderer alttestamentlicher Stellen zum „Zehnten“) mit den Aussagen des Neuen Testamentes ĂŒber das Erlösungswerk Jesu Christi.“ (R.H. Edenharder, S. 70)
 Nun finden wir aber tatsĂ€chlich Aussagen im NT zum Geld geben, und in welcher Gesinnung wir dies ausĂŒben sollten:  „An jedem ersten Wochentag lege jeder unter euch etwas beiseite und sammle, jenachdem er Gedeihen hat, damit nicht erst dann die Sammlungen durchgefĂŒhrt werden mĂŒssen, wenn ich komme“ (1. Kor. 16, 2; U= RH).  Das war ĂŒbrigens eine lang vorher angekĂŒndigte „Aktion“ !
„Das aber [bedenkt]: Wer kĂ€rglich sĂ€t, der wird auch kĂ€rglich ernten; und wer im Segen sĂ€t, der wird auch im Segen ernten.  Jeder, wie er es sich im Herzen vornimmt; nicht widerwillig oder gezwungen, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb!“  (2. Kor. 9, 6-7; U=RH).
„Laßt uns aber im Gutestun nicht mĂŒde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht ermatten. So laßt uns nun, wo wir Gelegenheit haben, an allen Gutes tun, besonders aber an den Hausgenossen des Glaubens“ (Gal. 6, 9-10).
Wenn wir dementsprechend handeln, leben wir in der Freiheit eines Christenmenschen und brauchen uns keine VorwĂŒrfe machen zu lassen! 

Der Herr wird uns eines Tages mit Sicherheit nicht fragen, ob wir den/die Zehnten gezahlt haben, ob unser Gemeindehaus seinen Vorstellungen entspricht, ob unsere Kleidung angemessen ist, ob wir den Sonntag (als Ruhetag) heiligen, ob wir unserer Konfession/GlaubensgebĂ€ude treu sind, ob wir bestimmte Speisen gegessen oder getrunken haben  usw. usw..
Lassen wir uns doch vom Herrn selbst zeigen, wie viel und wohin wir unser Geld, auch unsere Gaben fließen sollen!
So haben wir die Freiheit, z.B. Geschwistern, die uns persönlich bekannt sind, Hilfe zukommen zu lassen. Oder einem BedĂŒrftigen in der eigenen oder befreundeten Versammlung/Hauskreis. Oder... 

Was also abzulehnen ist, sind gesetzliche Regeln, die glÀubigen Menschen vorgegeben und zu denen sie verpflichtet werden. Also die Praxis gerade im freikirchlichen Umfeld.
Die Kirchengeschichte liefert leider in hohem Maße Beispiele, wo Menschen sich gerne von anderen lehren und fĂŒhren lassen, keine Verantwortung ĂŒbernehmen möchten und somit ihre christliche Freiheit abgegeben haben im Tausch mit der Knechtschaft (vgl. 2.Kor. 11, 19-21).
Viele richten es sich „gemĂŒtlich“ in ihrer Konfession/Gemeinde/Missionswerk ein und nehmen ihren „Priesterdienst“ nicht wahr. Wichtig dabei: Es darf niemals um Manipulation, Rechthaberei und Macht-anspruch gehen!  Weder von Seiten der Gemeindeleitung noch vom Gemeindemitglied selbst ! 

Es darf auch nicht außer acht gelassen werden, daß es in christlichen Gemeinden/Werken oftmals finanzielle AbhĂ€ngigkeiten und Verpflichtungen gibt, die den „Erlaß“ der Zehntenabgabe begĂŒnstigen können.
Zudem ist die Ortsgemeinde nicht 100% gleichzusetzen mit dem Reich Gottes.
Der neue Bund befreit uns von „Zwangsjacken“ (Zehnte, Sabbat etc.) und weist uns darauf hin, daß wir in der Freiheit der Kinder Gottes leben und uns vom Heiligen Geist leiten lassen sollten, der uns, ein geistliches VerstĂ€ndnis ĂŒber Gottes Wort schenken möchte.
Das Reich Gottes, das dĂŒrfen wir wissen, wird niemals in Konkurs gehen noch eine Weltwirtschaftskrise erleben!

„...das Reich Gottes ist.......Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.“ (Röm. 14, 17). 

Es sei betont: Hiermit soll kein Christ persönlich in seiner Haltung beleidigt oder gar angegriffen werden. Aber ich hoffe, mit diesem Artikel ĂŒber die Zehntengabe, manchen zum Nachdenken bewegen zu können. Die Antwort finden wir letztendlich nur in der Schrift. Jeder darf und sollte ĂŒber sein Glaubensleben/seine Nachfolge, auch im finanziellen Bereich, nachsinnen und offen fĂŒr Ermutigung und Korrektur sein. Ich wĂŒnsche dabei jedem Gottes Segen! 

PrĂŒfen wir die Aussagen von Gottes Wort ĂŒber den Zehnten, das Geld geben, die gottgewollte Struktur der Gemeinde und die christliche Freiheit eines Gotteskindes.
Wir werden ĂŒberraschende Entdeckungen machen. 

Ralf Helsper  

 

Anmerkungen:  Bibelstellen sind in Kursivschrift gehalten und, wenn nicht anders vermerkt, der  Schlachter 2000 Übersetzung entnommen.

 

 Literaturempfehlung zum Thema:

 Rudolf H. Edenharder

Der Zehnte in der Bibel und in Freikirchen

Dogma, Tabu und die Folgen

Ob der Zehnte auch fĂŒr Nachfolger Jesu eine Rolle spielt, darĂŒber wird heute viel diskutiert und spekuliert. Um hier Klarheit zu schaffen, hat der Autor alle Stellen des AT und NT grĂŒndlich, sachlich und kompetent sowie unter BerĂŒcksichtigung des biblischen und historischen Zusammenhangs untersucht. Die Ergebnisse sind höchst interessant, aber eindeutig und entziehen vielen gĂ€ngigen Auslegungen und Praktiken den Boden.

Verlag: GloryWorld- Medien
Art.-Nr.: 359.241.000
ISBN: 978-3-936322-41-5
Paperback , 200 S. , 13,5x20,5 cm , 1. Auflage , November 2009,   12,00 €

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