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Sonnenuntergang1

 


        LESEPROBE

   Sind die Siebenten-Tags-Adventisten eine Sekte?

INHALT

Vorwort

Teil I

Die Siebenten-Tags-Adventisten

Geschichte
William Miller
Hiram Edson
Joseph Bates
Ellen G. White
Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten
Die Quelle der Autorität
Die Lehren
Die Lehre von Gott
Die Lehre vom Menschen
Die Lehre von Christus
Die Lehre von der Errettung
Die Lehre von der Gemeinde und den Sakramenten
Die Lehre von den letzten Dingen

Teil II

Die Sonderlehren im Licht der Bibel

Das Untersuchungsgericht und die Lehre vom Sündenbock
Das Untersuchungsgericht
Die Lehre vom Sündenbock
Die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten
über den Sabbat
Die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten
über das Leben nach dem Tod
Die Seelenauslöschung
Die Vernichtung der Bösen

Teil III

Die charakteristischen Merkmale von Sekten

Die charakteristischen Merkmale von Sekten
Sind die Siebenten-Tags-Adventisten eine Sekte?

Anmerkungen

SIND DIE SIEBENTEN-TAGS- ADVENTISTEN

EINE SEKTE?

Nun müssen wir uns der Frage zuwenden, die uns ja eigentlich am meisten interessiert: Sind die Siebenten-Tags-Adventisten den Sekten zuzurechnen, oder sind sie eine Denomination der evangelikalen Kirchen? In einer Artikelserie, die in der Zeitschrif Eternity von September 1956 bis Januar 1957 erschien, vertraten Donald G. Barnhouse und Walter R. Martin die Ansicht, daß die Siebenten-Tags-Adventisten nicht, wie lange angenommen, eine Sekte seien, sondern eine Gruppierung der evangelikalen Christenheit, wenn sie sich auch durch einige spezielle Vorstellungen von anderen Gemeinschaften unterschieden. Martin veröffentlichte 1960 sein Buch Die Wahrheit über die Siebenten-Tags-Adventisten [27], in welchem er seinen Standpunkt nochmals bekräftigte. Er behandelte und kritisierte darin adventistische Lehren wie den “Seelenschlaf” [28], die Vernichtung der Bösen, den Sabbat am siebten Tag, das Untersuchungsgericht, die Lehre vom Sündenbock, der Überrestgemeinde und der Anerkennung von Ellen G. White als den “Geist der Weissagung”. Ungeachtet seiner scharfen Kritik an diesen Lehren erklärt er: “Nicht eine der Abweichungen der Siebenten-Tags-Adventisten ist eine Abweichung von den wichtigsten Lehren des christlichen Glaubens, die zur Errettung notwendig sind” (S. 229). Deshalb bittet Martin die Mitglieder evangelikaler Denominationen geistliche Gemeinschaft mit den Siebenten-Tags-Adventisten zu suchen:

Wir hoffen, daß viele von denen, die die Adventisten bisher als gefährliche Nichtchristen betrachtet haben, ihre Ansicht ändern werden. Nach der Vorsehung Gottes in Seiner Gnadenzeit, vertrauen wir darauf, daß die evangelikale Christenheit als Ganzes ihre Hand nach der Gemeinschaft mit einer Gruppe ernsthafter, in der Nachfolge eifriger Christen ausstrecken wird. Wenn sie sich auch durch einige eigen-
tümliche Ansichten unterscheiden, so sind sie doch Glieder des Leibes Christ und haben den errettenden Glauben (S. 236-237).

Dadurch, daß diese Abhandlung über die Siebenten-Tags- Adventisten ursprünglich in meinem Buch The Four Major Cults (“Die vier größten Sekten”) veröffentlicht worden ist, habe ich bereits verdeutlicht, daß ich Barnhouses und Martins Beurteilung dieser Bewegung nicht vertrete. Ich bestreite zwar nicht, daß die Adventisten im Unterschied zu den meisten Sekten in einigen Lehrpunkten mit der evangelikalen protestantischen Kirche übereinstimmen (z.B. in der Lehre von der Göttlichkeit Jesu Christi), aber ich habe die Überzeugung, daß die Siebenten-Tags-Adventisten eine Sekte und nicht eine evangelikale Denomination sind. Um diese Beurteilung zu erhärten, werde ich nun zeigen, daß die oben angeführten charakteristischen Merkmale von Sekten auch in dieser Bewegung zu finden sind.

(1) Eine außerbiblische Autoritätsquelle. Die Siebenten-Tags- Adventisten haben mit den Schriften von Ellen G. White eine außerbiblische Autoritätsquelle, die sie als “inspirierte Ratschläge vom Herrn” betrachten (siehe oben, S. 31). Das ist bereits auf den Seiten 27-37 gezeigt worden; die Argumentation brauche ich hier nicht noch einmal zu wiederholen. Ich möchte den Leser darüber hinaus ermuntern, einmal solche adventistischen Veröffentlichungen wie Bibelkommentar der Siebenten-Tags-Adventisten, Prinzipien des Lebens aus Gottes Wort und Fragen zur Lehre durchzublättern, um einen Eindruck davon zu erhalten, wie häufig eine Lehrmeinung oder die Auslegung einer Schriftstelle auf Zitaten von Ellen G. White basiert. Wir schließen daraus, daß die Siebenten-Tags- Adventisten die Bibel im Licht der Schriften Ellen G. Whites auslegen und daß ihre Bücher und Zeugnisse deshalb eine über der Bibel stehende Autoritätsquelle darstellen. Diese Vorgehensweise ist, wie wir gesehen haben, ein charakteristisches Merkmal von Sekten. (2) Das Leugnen der Errettung allein aus Gnade. Nun stoßen wir auf eines der größten Probleme bei der Beurteilung der Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten. Die verwirrende Tatsache, daß die Adventisten oftmals theoretisch einen bestimmten Standpunkt einnehmen, dann aber in der weiteren Darlegung ihrer Theologie diesen Standpunkt leugnen. Hinsichtlich des Lehrpunkts, um den es nun gehen soll, stellen wir fest, daß die Siebenten-Tags-Adventisten theoretisch der Rechtfertigung allein aus Gnade zustimmen, und eine Errettung aus Gesetzeswerken von sich weisen (siehe oben, S. 57). Dennoch lehren sie auch, die einmal zugeteilte Vergebung könne aufgehoben werden, und vergebene Sünden würden nicht sofort getilgt, da nachfolgende Taten und Verhaltensweisen die en gültige Entscheidung noch beeinflussen könnten (Siehe oben, S. 52). Darüber hinaus lehren die Adventisten, es sei möglich, daß ein Mensch die einmal erlangte Rechtfertigung durch sündiges Handeln und Verhalten verliert. Aus dieser Lehre folgt, daß man nur dann seiner Rechtfertigung sicher sein kann, wenn man den Rest seines Lebens kontinuierlich die richtigen Taten vollbringt und sich entsprechend verhält (siehe oben, S. 59 und 61).

(i) Das Untersuchungsgericht. Ich habe bereits gezeigt, daß die adventistische Lehre vom Untersuchungsgericht (für die es in der Bibel keine Grundlage gibt) im Widerspruch zu ihrer Behauptung steht, die Rechtfertigung geschehe allein aus Gnade (siehe oben, S. 50-53, 62 -63, 104-105). Der tatsächliche Standpunkt der Siebenten-Tags-Adventisten ist: (a) Das Untersuchungsgericht entscheidet, wer von den Myriaden, die im Staub der Erde schlafen, würdig ist, bei der ersten Auferstehung dabei zu sein. [29] (b) Beim Untersuchungsgericht werden die Leben der Menschen nach folgenden Gesichtspunkten untersucht: Ihr Glaube an Christus, ihr Bekenntnis jeder einzelnen Sünde und ihr treues Erfüllen der Anforderungen des Gesetzes. [30] (c) Deshalb ist der entscheidende Faktor der Entscheidung darüber, ob ein Mensch gerettet wird oder nicht, nicht in erster Linie das, was Christus für ihn am Kreuz getan hat, sondern in erster Linie das, was der Mensch in seinem Leben getan hat. Er muß die Anforderungen des Gesetzes erfüllt haben, muß beständig die richtigen Taten vollbracht haben, damit die Vergebung nicht aufgehoben wird und muß jede einzelne Sünde bekannt haben. Von daher ist nun klar, was über die Errettung eines Menschen entscheidet, ist seine Lebensführung, die das Untersuchungsgericht enthüllt, insbesondere sein tadelloses Erfüllen der Anforderungen des Gesetzes. Und dieser Standpunkt widerspricht der schriftgemäßen Aussage, daß man allein aus Gnade gerettet wird.

Wie kann irgend jemand “treu die Anforderungen des Gesetzes erfüllen”? Straucheln wir nicht allzu häufig dabei, diese Anforderungen zu erfüllen? Sagt nicht der Apostel Johannes: “Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben [und Sünde haben bedeutet, die Anforderung des Gesetzes nicht erfüllt haben], betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1. Joh 1,8)? Der Apostel Paulus macht unmißverständlich klar, daß niemand jemals “treu die Anforderungen des Gesetzes erfüllen” kann, wenn er in Römer 3,19.20 schreibt:

 Wir wissen aber, daß alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind , damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Dann fährt er fort und schreibt: “Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus für alle, die glauben ...” (Verse 21 und 22). Er beendet diese knappe Darlegung des Wegs der Errettung mit den Worten: “Denn wir urteilen, daß der Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Mitwirkung von Gesetzeswerken” (Vers 28). An anderer Stelle sagt Paulus uns, daß er alles für Verlust achtet, damit er Christus gewinne, “und in ihm gefunden werde – indem ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens” (Phil 3,9). Paulus wußte also, daß er nicht auf Grundlage eines zukünftigen himmlischen Untersuchungsgerichts über seine Gesetzestreue gerettet ist, oder aufgrund seiner selbst erwirkten Gerechtigkeit, sondern auf der Grundlage der Gerechtigkeit, die er durch Glauben von Gott erhalten hat! Wie können die Siebenten-Tags-Adventisten dann lehren, der Mensch würde auf Grundlage seines “treuen Erfüllens der Anforderungen des Gesetzes” gerettet werden, so wie es das Untersuchungsgericht offenbart?

Die Lehre von der Rechtfertigung allein durch Gnade besagt, daß ein Mensch aufgrund dessen gerettet wird, was Christus für ihn getan hat. Die Lehre vom Untersuchungsgericht besagt hingegen, daß Christus bis zum Untersuchungsgericht nicht weiß, ob ein bestimmter Mensch gerechtfertigt worden ist. Wenn, wie die Bibel lehrt, “der Herr kennt, die sein sind” (2. Tim. 2,19) und der Gute Hirte die Seinen kennt (Joh 10,14.27), warum sollte Christus dann nicht unabhängig von diesem Untersuchungsgericht wissen, wer bei der Auferstehung der Gerechten dabei sein wird? Die einzige mögliche Antwort ist: Weil er nicht genau weiß, wie diese Menschen ihr Leben geführt haben. Aber wenn das stimmt, dann ist das treue Erfüllen der Anforderungen des Gesetzes das Maßgebliche bei der Entscheidung, ob jemand gerettet wird. Dieser Standpunkt stößt jedoch die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade um!

 (ii) Das Halten des Sabbats. Im ersten Teil dieses Buches habe ich ebenfalls bereits gezeigt, daß die adventistische Lehre über das Halten des Sabbats im Widerspruch zu der Lehre der Rechtfertigung allein aus Glauben steht (siehe oben, S. 61-64). Der Standpunkt der Siebenten-Tags-Adventisten läßt sich kurz und knapp so zusammenfassen: In den letzten Tagen, wenn die Welt über die Pflicht, den wahren Sabbat zu halten, aufgeklärt ist, wird jeder , der sich immer noch weigert, den siebten Tag als Sabbat zu ehren, das Malzeichen des Tieres erhalten und verloren gehen. Es ist klar, daß die Errettung spätestens zu dieser Zeit nicht mehr allein aus Glauben an Christi Versöhnungswerk geschieht, sondern aus Glauben und Werken – insbesondere dem Werk, den siebten Tag als Sabbat zu beobachten.

Wir wollen nun einmal betrachten, wie Ellen G. White die entscheidende Rolle des Sabbathaltens in den letzten Tagen beschreibt. Direkt vor Christi Wiederkunft, so schreibt sie, wird am Himmel eine Hand erscheinen, die zwei zusammengeklappte Steintafeln hält. Auf diese Weise “wird dann das heilige Gesetz, Gottes Gerechtigkeit, das ... am Sinai als der Weg des Lebens verkündet worden war, den Menschen als die Richtschnur des Gerichts geoffenbart werden”. [31] Die Hand öffnet die Tafeln, deren Worte so deutlich sind, daß sie von allen gelesen werden können. Diese öffentliche Schau von Gottes Gesetz wird die Herzen derer bestürzen, “die Gottes heilige Anforderungen mit Füßen getreten haben”; worauf die Aufmerksamkeit des Lesers besonders gerichtet werden soll, ist die Verzweiflung derer, die “danach gestrebt haben, Gottes Volk zu nötigen, Seinen Sabbat zu entweihen”. “Jetzt”, so schreibt sie, “werden sie durch das Gebot verdammt, welches sie verachtet haben .” [32] Das Mißachten des Sabbatsgebots ist deshalb vornehmlich die unverzeihbare Sünde der letzten Tage!

In demselben Sinne sind die folgenden Worte:

Die Feinde des Gesetzes Gottes, vom Klerus angefangen bis zu den letzten von ihnen, haben eine neue Auffassung von Pflicht und Wahrheit. Sie erkennen zu spät, daß der Sabbat, das vierte Gebot, das Siegel des lebendigen Gottes ist. Sie erkennen zu spät das wahre Wesen ihres gefälschten Sabbats und auf welch sandigem Untergrund sie gebaut haben. Sie werden sehen, daß sie gegen Gott gekämpft haben. Die religiösen Lehrer haben die Seelen in die Verdammnis geführt und dachten dabei, sie leiteten sie zu den Pforten des Paradieses.

Eines wird daraus klar: Religiöse Lehrer haben die Seelen in die Verdammnis geführt, weil sie nicht gelehrt haben, den siebten Tag als Sabbat zu halten! Sie und ihre Anhänger sind nicht deshalb zur Verdammnis bestimmt, weil sie nicht an Jesus Christus als ihren Heiland und Erlöser glaubten, sondern weil sie eines der Zehn Gebot nicht gehalten haben!

Als nächstes läßt nach Ellen G. White Gott Seine Stimme vom Himmel erschallen, verkündet den Tag und die Stunde von Jesu Wiederkunft und macht den ewigen Bund mit Seinem Volk. “Und wenn der Segen über die ausgesprochen wird, die Gott durch Heilighalten Seines Sabbats geehrt haben, wird ein lautes Siegesgeschrei erschallen.” [34] So wird also Gottes wahres Volk, hier als “Israel Gottes” bezeichnet, an erster Stelle nicht wegen ihres Glaubens an Christus als ihren Heiland, sondern wegen ihres richtigen Haltens des vierten Gebots gesegnet!

Selbst wenn wir akzeptierten, daß die Siebenten-Tags-Adventisten mit ihrem Halten des siebten Tages als Sabbat Recht hätten (was wir aber nicht tun), würden wir immer noch ihre Auffassung, daß eine Sünde gegen ein Gebot Gottes, die von Menschen begangen wird, die immer an Christus geglaubt und stets ernsthaft versucht haben, Ihm zu dienen, der Grund für ihre ewige Verdammnis sein kann, aufs Schärfste zurückweisen – zumal die Sünde in Unwissenheit geschehen ist und vergeben wird. [35] Andersherum steht es auch nicht in Einklang mit der Schrift, zu behaupten, man müsse, um gerettet zu werden, wenigstens das vierte Gebot perfekt gehalten haben. [36] Denn die Bibel lehrt, daß wir alle gesündigt haben und nicht die Herrlichkeit Gottes erlangen (hysterountai, ein Indikativ Präsens) (Rö 3,23), und daß niemand die Gebote Gottes perfekt halten kann (1. Joh 1,8). Wir werden nicht aufgrund unseres treuen Haltens eines jeden der Gebote Gottes gerettet, sondern aufgrund dessen, was unser Erlöser für uns getan hat und weil wir Teilhaber Seiner perfekten Gerechtigkeit geworden sind! Wir schließen daraus, daß die Siebenten-Tags-Adventisten zwar vorgeben, die Rechtfertigung allein aus Gnade zu lehren, ihre Lehren über das Untersuchungsgericht und das Sabbatgebot jedoch im Widerspruch zu dieser Behauptung stehen.

(3) Die Herabwürdigung Christi. An dieser Stelle müssen wir zuerst dankbar anerkennen, daß die Siebenten-Tags-Adventisten nicht wie Mormonen, Zeugen Jehovas und Christliche Wissenschaftler die volle Gottheit Jesu Christi oder die Dreieinigkeit leugnen. Wenn auch einige frühere adventistische Autoren erklärt haben, der Sohn sei dem Vater nicht völlig gleich, so bekräftigen doch die heutigen Siebenten-Tags-Adventisten Christi völlige Gleichheit mit dem Vater und die ewige Existenz des Sohnes von allen Zeiten her (siehe oben, S. 43-44). Die Adventisten erkennen darüber hinaus auch die Lehre der Dreieinigkeit und die Person und volle Göttlichkeit des Heiligen Geistes an (siehe oben, S. 37-39)

Über das Werk Christi lehren die Siebenten-Tags-Adventisten die von Christus erwirkte stellvertretende Versöhnung (siehe oben, S. 46 und 47). Ihre Lehre ist jedoch in der Frage, ob die Versöhnung am Kreuz vollendet wurde, zweideutig, da Ellen G. White mehr als einmal schreibt, daß Christus heute Versöhnung für uns erwirkt und oftmals auf eine “letzte Versöhnung” nach der am Kreuz vollbrachten hinweist (siehe oben, S. 47-50).

Wenn wir auch die Lehre der Adventisten über die volle Göttlichkeit Christi zu würdigen wissen, so müssen wir jedoch zu unserem Leidwesen feststellen, daß es in dieser ihren Lehren Aspekte gibt, die die Herrlichkeit Christi schmälern und tatsächlich eine Herabwürdigung Christi darstellen:

(i) Es wird gesagt, Christus sei vor 1844 nicht imstande gewesen, Sünden zu tilgen, sondern konnte sie lediglich vergeben (siehe oben, S. 50). Die Sündenvergebung bedeutet jedoch, daß diese Sünden immer noch im himmlischen Heiligtum aufgezeichnet sind; diese Vergebung kann später rückgängig gemacht werden, wenn die nachfolgenden Taten und Verhaltensweisen des Menschen sich als unangemessen erweisen (siehe oben, S. 52). Diese Auffassung, die ich bereits unter dem Punkt A des zweiten Teils dieses Buches erläutert und kritisiert habe (siehe oben, S. 114-116), beraubt Christus Seiner göttlichen Vorrechte. Die Pharisäer beschuldigten Jesus der Gotteslästerung, als Er zu dem Gelähmten sagte: “Deine Sünden sind dir vergeben.” Sie sprachen: “Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein?” (Lk 5,20.21). In Römer 8,33.34 lesen wir außerdem: “Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer ist, der verdamme?” Die eindeutige Schlußfolgerung aus diesen Versen ist, daß wenn Gott der Vater einem Sünder vergeben hat, seine Sünden für immer ausgelöscht sind; niemand wird ihn jemals wieder anklagen können. Wenn die Sündenvergebung, die Christus erteilen konnte, nichts mehr ist als eine Übertragung der Vergehen auf die Aufzeichnungen im himmlischen Heiligtum, und nicht die vollständige Tilgung der Sünden, dann wäre Christi Vollmacht zur Sündenvergebung beträchtlich geringer als die des Vaters. Deshalb machen sich die Siebenten-Tags-Adventisten mit dieser Lehre einer Herabwürdigung Christi schuldig.

(ii) Jesus Christus weiß nicht, wer die Seinen sind, da Er ja ein Untersuchungsgericht durchführen muß, um zu bestimmen, “wer ... der ersten Auferstehung würdig ist ...” [37] Unter Punkt B im zweiten Teil dieses Buches habe ich herausgestellt, daß diese adventistische Lehre uns einen Christus zeigt, der erst seine Hausaufgaben machen muß, bevor er entscheiden kann, wer der Segnungen Seiner Erlösung würdig ist (siehe oben, S. 116). Auch diese Lehre beraubt Christus Seiner Souveränität und würdigt Ihn herab.

(iii)Das wahre Wesen des Untersuchungsgerichts schließt, wie wir gesehen haben, mit ein, daß nicht die untrennbare Verbindung mit Christus maßgeblich für die Entscheidung über die Errettung ist, sondern die auf Erden vollbrachten Werke. In der adventistischen Lehre ist deshalb nicht Christi Werk, sondern der Menschen Werk letztendlich für die Errettung entscheidend. Diese Lehre würdigt Christus ebenfalls herab.

(iv) Die entscheidende Wichtigkeit, die dem Halten des vierten Gebots nach dessen erneuter Verkündigung zugemessen wird, schmälert gleichfalls die rettende Vollmacht Christi. Wir wollen Ellen G. White ein weiteres Mal zitieren: “Wenn der Segen über die ausgesprochen wird, die Gott durch Heilighalten Seines Sabbats geehrt haben, wird ein lautes Siegesgeschrei ertönen.” [38] Hier ist also nicht Christi Versöhnungswerk an unserer Statt für die Errettung von höchster Wichtigkeit und letztlicher Entscheidung, sondern das Halten des vierten Gebots! Diese Erhöhung des Sabbathaltens und Schmälerung des Werkes Christi ist wiederum eine Herabwürdigung Christi. [39]

(v) Die Siebenten-Tags-Adventisten lehren, daß direkt vor der Wiederkunft Christi die Sünden aller Menschen auf Satan gelegt werden und daß die Sünde nur auf diese Weise endgültig aus dem Universum “ausgerottet” oder “ausgetilgt” werden kann. Auch diese Lehre schmälert die Vollkommenheit Christi. Wir begrüßen zwar die Lehre der Adventisten, daß Satan kein Sündenträger ist, und daß er keine Erlösung von den Sünden erwirkte, es muß jedoch herausgestellt werden, daß sie Satan eine unentbehrliche Rolle bei der Tilgung der Sünden aus dem Universum zuschreiben (siehe oben, S. 53-56). Aber wie bereits unter Punkt B im zweiten Teil dieses Buches aufgezeigt wurde (siehe oben, S. 117), bedeutet dies, Satan etwas zuzuschreiben, was allein Christus zugeschrieben werden sollte: die Auslöschung unserer Sünden. Wenn Christus am Holz des Kreuzes unsere Sünden vollständig an Seinem Leib getragen hat, wie wir in 1. Petrus 2,24 lesen, warum sollte Satan dann noch helfen müssen, diese Sünden aus dem Universum auszurotten? Hieraus schließen wir, daß die Siebenten-Tags-Adventisten sich auf diese verschiedenen Weisen einer Herabwürdigung Christi schuldig machen, und daß die volle Göttlichkeit, die sie Christus offiziell zubilligen, von einer Lehre überschattet ist, die Seine erhabene Majestät schmälert.

(4) Die Gruppe als die exklusive Gemeinschaft der Erretteten. Hier schätzen wir wiederum den Standpunkt der Autoren von Fragen zur Lehre; demnach glauben die Siebenten-Tags-Adventisten nicht, daß sie allein die wahren Kinder Gottes, die einzigen wahren Christen der Welt oder die einzigen, die gerettet werden sind. [40] Gleichzeitig bezeichnen sich die Adventisten jedoch selbst aus zwei Gründen als Überrestgemeinde: Weil sie die Gebote Gottes halten, insbesondere begehen sie den Sabbat am siebten Tag; und weil sie mit Ellen G. White den “Geist der Weissagung” haben (siehe oben, S. 64).

An dieser Stelle sollten wir ganz genau danach fragen, was die Siebenten-Tags-Adventisten mit dem Begriff Überrestgemeinde meinen. Ich habe im ersten Teil dieses Buches auf den Seiten 64-65 aufgezeigt, daß der adventistischen Lehre nach die Überrestgemeinde der letzte Teil der wahren Gemeinde ist, der sich noch auf der Erde befindet. Diese Meinung wird noch durch eine Erklärung in einem adventistischen Bibel-Studienlehrbuch unterstützt: “Was soll denn die Überrestgemeinde sein? Die letzte Gemeinde, die am Ende der Zeit von Gottes Gemeinde auf der Erde verblieben ist.” [41] Wenn das stimmt, dann bedeutet die Behauptung die Siebenten-Tags-Adventisten, daß sie die wirkliche Überrestgemeinde sind: Wir sind die letzte wahre Gemeinde, die auf der Erde verblieben ist, und alle anderen Gemeinschaften, die von sich behaupten, Gemeinden oder Kirchen zu sein, sind keine wahren, sondern falsche Gemeinden.

Lehren die Siebenten-Tags-Adventisten wirklich, daß sie die wahre Gemeinde Gottes sind? Die Antwort lautet: Ja! Das wird aus den folgenden Zitaten aus den Schriften von Ellen G. White deutlich, ihrer inspirierten Prophetin: Die Verordnung, die am Ende gegen den Überrest des Volkes Gottes gerichtet sein wird, wird der Verordnung des Königs Ahasveros gegen die Juden sehr ähnlich sein. Heute sehen die Feinde der wahren Gemeinde in der kleinen Schar derer, die das Sabbatgebot halten, einen Mordechai im Tor. [42]

Ich sah, daß der heilige Sabbat die trennende Mauer zwischen dem wahren Israel Gottes und den Ungläubigen ist und sein wird; und daß der Sabbat die große Frage ist, an der sich die Herzen von Gottes geliebten ausharrenden Heiligen vereinigen werden. [43]

Wenn die letzte Warnung gegeben wird, wird das die ganze Aufmerksamkeit dieser führenden Männer fesseln, durch die der Herr nun wirkt, und einige von ihnen werden sie [die Botschaft über den Sabbat am siebten Tag] annehmen und standhaft mit Gottes Volk durch die Trübsalszeit gehen. [44]

Für diejenigen, die Seinen heiligen Tag ehren, ist der Sabbat ein Zeichen, daß Gott sie als Sein auserwähltes Volk ansieht. Es ist ein Versprechen, daß Er an ihnen Sein Bündnis erfüllen wird. [45]

Das Halten des Sabbats ist ein Zeichen der Loyalität zum wahren Gott. [46]

Wie der Sabbat das Zeichen war, welches Israel auszeichnete, als es aus Ägypten kam und ins irdische Kanaan einzog, so ist er auch jetzt das Zeichen, das Gottes Volk auszeichnet, das aus der Welt ausgezogen ist, um in die himmlische Ruhe einzugehen. Der Sabbat ist ein Zeichen für die Beziehung zwischen Gott und Seinem Volk, ein Zeichen dafür, daß sie Sein Gesetz ehren. Es unterscheidet Seine Getreuen von den Übertretern. [47]

Welche Schlußfolgerungen können wir nun aus diesen Zitaten im Hinblick auf die anderen Kirchen der Christenheit ziehen? Wir sind genötigt zu schließen, daß diese anderen Kirchen nach Ellen G. White nicht Teil der wahren Kirche, nicht das wahre Israel Gottes, nicht Gottes auserwähltes Volk, dem wahren Gott nicht loyal und nicht Gottes Getreue, sondern Übertreter sind. Von Christen, die zu Kirchen gehören, die den ersten Tag als Tag des Herrn begehen, wird gesagt, sie seien Opfer einer der schlimmsten Kampagnen Satans gegen Gottes Gesetz: “Satan strebt danach, die Menschen von ihrer Treue zu Gott und dem Gehorsam zu Seinem Gesetz abzubringen. Deshalb lenkt er seine Bemühungen besonders gegen das Gebot, das auf Gott als den Schöpfer hinweist [das vierte].” [48]

Jetzt fragen wir weiter: Besagt die Lehre der Siebenten-Tags- Adventisten über die Überrestgemeinde, daß diejenigen, die nicht Glieder dieser verbliebenen Gruppe sind, nicht gerettet werden können? Anders gefragt, glauben die Siebenten-Tags- Adventisten, ihre Gruppierung ist die exklusive Gemeinschaft der Erretteten?

Im Hinblick auf die Menschen, die auf der Erde leben, nachdem die große Erleuchtung über den Sabbat gegeben worden ist (siehe oben, S. 64), wenn die letzte Prüfung des treuen Sabbathaltens sein wird, [49] lehren die Adventisten, daß alle, die dann noch außerhalb ihrer Gemeinschaft bleiben, verloren gehen. Die Siebenten-Tags-Adventisten behaupten, “vor der letzten Stunde der Bedrängnis und der Prüfung werden alle wahren Gotteskinder – die jetzt noch so weit zerstreut sind – mit uns gemeinsam dieser Botschaft [die durch die Siebenten-Tags- Adventisten überbracht wird] gehorchen, deren wesentlicher Teil der Sabbat am siebten Tag ist.” [50] Dagegen werden alle, die sich dann weigern, mit der Überrestgemeinde durch das Halten des Sabbats Gemeinschaft zu haben, das Malzeichen des Tieres erhalten und verlorengehen:

... Wenn das Halten des Sonntags gesetzlich verordnet und die Welt über den wahren Sabbat aufgeklärt sein wird, dann wird jeder, der dieses Gebot Gottes bricht und einer Vorschrift gehorcht, die keiner höheren Autorität als der Roms entspringt, dadurch dem Papsttum mehr Ehre als Gott erweisen ... Wenn die Menschen dann die Institution ablehnen, die Gott als das Zeichen Seiner Autorität erklärt hat, und an derer Statt die ehren, die Rom als das Symbol seiner Überlegenheit erwählt hat, dann nehmen sie dadurch das Zeichen der Verpflichtung gegenüber Rom an – “das Malzeichen des Tieres”. [51]

Von daher ist nun klar, daß sich die Siebenten-Tags-Adventisten als die exklusive Gemeinschaft der Geretteten der Endzeit betrachten, da ja alle verlorengehen werden, die dann nicht zu dieser Gemeinschaft gehören. Wir schließen daraus, daß die Adventisten in diesem Punkt ein charakteristisches Merkmal von Sekten aufweisen.

Hinsichtlich der Menschen, die gegenwärtig leben, ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten. Wir erinnern uns daran, daß nach der adventistischen Lehre diejenigen, die den siebten Tag nicht als Sabbat halten, damit das wichtigste der Zehn Gebote übertreten (siehe oben, S. 63). Nun stellt sich die Frage: Können Christen, die immer wieder dieses allerwichtigste Gebot brechen, noch gerettet werden?

Die Siebenten-Tags-Adventisten antworten: Ja, weil diese Christen, die Glieder anderer Kirchen der Christenheit, dieses Gebot unwissentlich brechen. Denn die Autoren von Fragen zur Lehre schreiben: “Die Siebenten-Tags-Adventisten glauben fest, daß Gott sich einen kostbaren Überrest ersehen hat, eine Vielzahl von ernsthaften, eifrigen Gläubigen aus allen Kirchen, auch aus der römisch-katholischen, die nach ihrer besten Erkenntnis leben, die Gott ihnen gegeben hat.” [52] Daraus folgt, daß diese Christen nicht die volle Erkenntnis über die Sabbatfrage haben, die Gott den Adventisten gegeben hat, und sie deshalb zur Zeit eine Entschuldigung dafür haben, daß sie das vierte Gebot nicht richtig halten. Ellen G. White schreibt dazu:

Niemand aber wird den Zorn Gottes [der diejenigen heimsucht, die sich weigern, den Ruhetag des Schöpfers einzuhal-ten] zu spüren bekommen, ehe ihm die Wahrheit in seinem Herzen und seinem Gewissen klargemacht worden ist, und er sie abgelehnt hat. In dieser Zeit gibt es noch viele, die niemals eine Möglichkeit gehabt haben, die besondere Wahrheit zu hören. Die Verpflichtung des vierten Gebots ist ihnen niemals richtig vor Augen geführt worden. [53]

Dieser Darlegung nach kann man nicht dafür bestraft werden, den Sabbat nicht gehalten zu haben, bis einem die Wahrheit über dieses Gebot klargemacht worden ist und man sie vorsätzlich mißachtet hat.

Das bedeutet also, daß die heutigen Christen außerhalb der Gemeinschaft der Siebenten -Tags-Adventisten gerettet werden können, obwohl sie unaufhörlich das vierte Gebot brechen, weil sie dieses in Unwissenheit über die Wahrheit tun, die von den Siebenten-Tags -Adventisten erkannt und verkündet wird. Das stellt jedoch die sogenannte Anerkennung der Universalgemeinde Christi seitens der Siebenten-Tags-Adventisten in ein recht wenig schmeichelhaftes Licht: Es gibt zwar sicherlich eine solche Universalgemeinde, aber sie irrt sich mit ihrem Verständnis des wichtigsten der Zehn Gebote und seinem Gehorsam zu diesem völlig!

Wenn darüber hinaus die Errettung der Nichtadventisten von ihrer Unwissenheit über Gottes wirkliches Sabbatgebot abhängig ist, scheint die Folgerung unvermeidlich, daß diese Menschen, wenn sie denn gerettet werden wollen, unwissend über das Sabbatgebot bleiben sollten. Wie wir oben gesehen haben, sagte Ellen G. White, daß niemand Gottes Zorn zu spüren bekommt, “ehe ihm nicht die Wahrheit in seinem Herzen und Gewissen klargemacht worden ist, und er sie abgelehnt hat”. Stellen wir uns nun vor, ein Christ hat die Botschaft der Siebenten-Tags- Adventisten über den siebten Tag vernommen, kommt aber zu dem Schluß, daß diese Lehre falsch ist – könnte er danach noch behaupten, ein unwissentlicher “Übertreter” des vierten Gebots zu sein? Ellen G. White schrieb 1847: “Und wenn jemand geglaubt und den Sabbat gehalten und die damit verbundenen Segnungen erhalten hat und dann damit aufhört und das heilige Gebot bricht, ein solcher wird die Tore der Heiligen Stadt selbst vor sich verschließen, so wahr ein Gott im Himmel regiert.” [54] Die hier beschriebenen Menschen gehen offensichtlich deshalb verloren, weil sie gegen besseres Wissen “gesündigt” haben. Aber was ist mit den Menschen, die die von den Siebenten-Tags- Adventisten vorgebrachten Hinweise geprüft und sie dann abgelehnt haben? Wäre deren Errettung nicht in Gefahr?

Wenn die Situation so ist, wie sie die Siebenten-Tags-Adventisten schildern, wäre es dann für die Menschen in den gewöhnlichen Kirchen der Christenheit nicht weitaus besser, diese Kirchen zu verlassen und sich den Siebenten-Tags-Adventisten anzuschließen? Das ist genau das, was uns als das Ziel vor Augen geführt wird, auf das hin Christus wirkt: “Der Gute Hirte kennt Seine Schafe [Gottes wahre Kinder, die jetzt noch Nichtadventisten sind], und Er ruft sie als Vorbereitung auf Seine Wiederkunft in die eine große Gemeinschaft.” [55]

Wenn das Christi Absicht ist, dann ist klar, daß die wahren Kinder Gottes, die jetzt noch Nichtadventisten sind, wenn sie Kontakt zu Siebenten- Tags-Adventisten bekommen und immer noch in ihren Kirchen verbleiben, gegen Christi Willen handeln.

Wir folgern, daß die Siebenten-Tags-Adventisten zwar theoretisch zugeben, Menschen außerhalb ihrer Gemeinschaft können errettet werden, aber in Wirklichkeit unterminieren sie diese Auffassung durch ihre Lehre von der Überrestgemeinde. Da sie behaupten, im Unterschied zu allen anderen christlichen Gruppierungen die Überrestgemeinde zu sein, zeigen sie das charakteristische Kennzeichen von Sekten, um das es hier geht, wenn auch in nicht ganz eindeutiger Weise.

(5) Die zentrale Rolle der Gruppe in der Eschatologie. Es dürfte keine Schwierigkeit sein, aufzuzeigen, daß dieses charakteristische Merkmal von Sekten bei den Siebenten-Tags-Adventisten im Vordergrund steht und klar erkennbar ist. Gleich wie die oben als Beispiel angeführten Sekten behaupten die Siebenten- Tags-Adventisten, ins Dasein gerufen worden zu sein, um eine spezielle Wahrheitslücke auszufüllen. Die Adventisten geben vor, Gott habe sie dazu bestimmt, “die stockende protestantische Reformation zu vollenden und die Wahrheit des Evangeliums voll und ganz wieder aufzurichten.” [56] Gott hat die adventistische Bewegung ins Leben gerufen, so versichern sie, damit sie der Menschheit Seine letzte große Botschaft verkünden. [57] Der Anfang der Siebenten-Tags-Adventisten markiert deshalb den Anfang des letzten Höhepunktes der Kirchengeschichte. [58] Diese Bewegung ist deshalb entstanden, um die Kirche der letzten Tage auf das Zusammentreffen mit dem wiederkehrenden Herrn vorzubereiten. [59].

Wenn wir uns die Schilderungen der Siebenten-Tags-Adventisten der Ereignisse, die der Wiederkunft Christi vorausgehen sollen, einmal näher anschauen, stellen wir fest, daß sie ihre eigene Bewegung in den Mittelpunkt des eschatologischen Geschehens stellen. Diese Ereignisse werden bis ins kleinste Detail in den letzten Kapiteln von Ellen G. Whites Buch The Great Controversy (“Der große Konflikt”) geschildert. Der Verkündigung des Untergangs von Babylon (welches für verschiedene Formen abtrünniger Religion steht) [60] folgt der Ruf: “Geht aus ihr hinaus, mein Volk”; das ist die letzte Warnung an die Bewohner der Erde. [61] Die verschiedenen Mächte der Erde, einschließlich staatlicher Macht, Katholiken und Protestanten, werden dann einen Erlaß verordnen, nach dem sich alle “durch die Feier des falschen Sabbats nach den Gebräuchen der Kirchen richten müssen.” [62] Wenn dieser Erlaß bekanntgegeben worden ist, werden alle, die im Gegensatz zu den Siebenten-Tags-Adventisten fortfahren, “den falschen Sabbat” [Sonntag] zu feiern, das Malzeichen des Tieres erhalten, wohingegen diejenigen, die in Gehorsam zu Gottes Gesetz den wahren Sabbat halten, das Siegel Gottes bekommen. [63]

Die nun gegen den Sabbat am siebten Tag sind, werden dann eine grausame Verfolgung gegen die in Gang setzen, die den wahren Sabbat halten [die Siebenten-Tags-Adventisten und deren neuen Anhänger]. [64] Dann kommt das “Ende der Prüfungszeit”; Christus stellt Seine Vermittlung im himmlischen Heiligtum ein und es gibt keine weitere Möglichkeit mehr für irgend jemanden, Gnade zu erlangen und gerettet zu werden. [65] Daraufhin folgt die “Trübsalszeit”, die in Daniel 12,1 vorausgesagt ist und während der den Feinden von Gottes Volk [also denen, die sich weigerten, den siebten Tag zu feiern] schreckliche Plagen auferlegt werden. [66] Gerade wenn diese Feinde kurz davor stehen, die Sabbattreuen vom Angesicht der Erde entfernt zu haben, schickt Gott Befreiung und flößt Schrecken in die Herzen der Mörder ein. [67]

Dann geschieht die “besondere Auferstehung”, bei der zwei spezielle Gruppen von den Toten auferweckt werden: Diejenigen, die für die Verurteilung und Kreuzigung Christi verantwortlich sind, und die, die im Glauben an die Botschaft des dritten Engels starben – d.h . die gläubigen Siebenten-Tags- Adventisten und anderen Menschen, die den siebten Tag gehalten haben und seit 1846 gestorben sind. [68] Es ist bemerkenswert, daß den Siebenten-Tags-Adventisten hier ein besonderes Privileg zugeschrieben wird: Sie sollen eher als andere Gläubige von den Toten auferstehen, so daß sie Christus bei Seiner Ankunft auf der Erde sehen können!

Daraufhin wird vom Himmel das Urteil über die Verlorenen verkündet, was in den Herzen der Übertreter von Gottes Gesetz Bestürzung hervorruft. [69] Gottes Getreue jedoch, die sich für Christus aufgeopfert und Ihm ihre Treue erwiesen haben, singen dann ein Triumphlied. [70] Die Gegner des wahren Sabbats erkennen zu spät, daß sie sich geirrt haben, wohingegen vom Himmel her Segen über die ausgesprochen wird, die Gott durch Heilighalten Seines Sabbats geehrt haben. [71] Dann kommt Christus wieder, [72] und Er ruft die anderen Gläubigen aus ihren Gräbern. [73] Die lebenden Gerechten werden nun umgewandelt, [74] die Verlorenen hingegen werden alle dem Tod überliefert. [75] Gottes Volk wird daraufhin für das folgende Tausendjährige Reich in den Himmel aufgenommen (siehe oben, S. 80-82); nach der Vernichtung der Verlorenen werden sie dann für immer die neue Erde bewohnen (siehe oben, S. 84).

Für die Siebenten-Tags-Adventisten ist deshalb die Eschatologie der Kampfplatz, auf dem die Bewegung ihre eigene Verherrlichung vollendet und in der sie sich ihren Feinden gegenüber rechtfertigt. Da in den letzten Tagen “der Sabbat die große Treueprüfung sein wird”, [76] sehen wir, daß der Gegensatz zwischen Gott und Satan am Ende ein Gegensatz zwischen Siebenten- Tags-Adventisten und denen, die ihren Sonderlehren nicht folgen, sein wird. Da die Siebenten-Tags-Adventisten sich selbst so darstellen, als spielten sie eine zentrale Rolle in der Eschatologie, schließen wir daraus, daß dieses charakteristische Merkmal von Sekten eindeutigerweise auch auf diese Bewegung anwendbar ist.

Ein Aufruf an die Siebenten-Tags-Adventisten. Ich erkenne dankbar an, daß es einige gesunde Akzente in der Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten gibt. Wir sind dankbar für die Bekräftigung der Unfehlbarkeit der Bibel, der Dreieinigkeit und der vollen Gottheit Jesu Christi seitens der Adventisten. Wir anerkennen gerne ihre Lehren über Schöpfung und Vorsehung, über die Fleischwerdung und Auferstehung Christi, über die unbedingte Notwendigkeit der Wiedergeburt, über die Heiligung durch den Heiligen Geist und über Christi buchstäblicher Wiederkunft. Es ist jedoch meine Überzeugung, daß die Adventisten zu diesen biblischen Lehren bestimmte unbiblische Lehren hinzugefügt haben, die zu ersteren im Widerspruch stehen und ihre volle Aussagekraft unterminieren. Aufgrund ihrer Aneignung dieser zusätzlichen Lehren ist es ebenfalls meine Überzeugung, daß die Siebenten-Tags-Adventisten nicht als eine evangelikale Freikirche, sondern als Sekte eingeordnet werden müssen. Die Begründung für diese Beurteilung ist oben detailliert dargelegt worden.

Das heißt jedoch nicht, daß unter den Siebenten-Tags-Adventisten keine wahren Kinder Gottes sein können. I ch wäre der letzte, der das abstreiten wollte. Woran Kritik geübt werden muß, und zwar deutlich, sind die Lehren dieser Gemeinschaft und nicht die einzelnen Menschen, die sich an diese Lehren halten. Die Lehren können und müssen wir im Lichte von Gottes Wort beurteilen; die Menschen müssen wir der Beurteilung durch Gott überlassen, der allein in ihre Herzen sehen kann. Im Geiste christlicher Liebe zu den Mitgliedern der Denomination der Siebenten-Tags-Adventisten und mit dankbarer Anerkennung der gesunden biblischen Elemente in ihrer Lehre bitte ich deshalb meine Freunde, die Adventisten, die sektiererischen Eigenheiten und unbiblischen Lehren, die die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten verderben, zu verwerfen und zum gesunden, biblischen Christentum zurückzukehren. Ob die biblischen Elemente in ihrer Lehre letztlich den Sieg über die unbiblischen Lehren erlangen werden, oder ob diejenigen in der Gemeinschaft, die bibeltreu sein möchten, aus ihr austreten werden, ist eine Frage, auf die nur Gott eine Antwort hat. Aber falsche Lehren, die einen Schatten auf den Glauben werfen, der einmal allen Heiligen anvertraut worden ist, müssen von allen verworfen werden, die den Herrn wahrhaft lieben.

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