hauskreis4

Sonnenuntergang1

 


Zwei Stimmen zur Wahrheitsfrage

Einige unverständliche Geister geben vor... man solle nicht über einen Artikel so hart streiten und darüber die christliche Liebe zertrennen noch einander darüber dem Teufel übergeben. Sondern, wenn man gleich in einem geringen Stück irrte, wo man sonst in anderem eins ist, möge man doch etwas weichen und gehen lassen und gleichwohl brüderliche und christliche Einigkeit oder Gemeinschaft halten.

Nein, lieber Mann, nur nicht den Frieden und die Einigkeit, bei der man Gottes Wort verliert! Denn damit wäre schon das ewige Leben und alles verloren. Es gilt hier, nicht zu weichen noch etwas einzuräumen, dir oder irgendwelchen Menschen zuliebe, sondern dem Wort allein sollen alle Dinge weichen, sie heißen Feind oder Freund. Denn es ist nicht um äußerlicher oder weltlicher Einigkeit und Friedens willen, sondern um des ewigen Lebens willen geschehen.

Das Wort und die Lehre sollen Christliche Einigkeit oder Gemeinschaft machen; wo die gleich und einig sind, da wird das andere wohl folgen; wo nicht, so bleibt doch keine Einigkeit... Das wollen wir gern tun, dass wir äußerlichen Frieden mit ihnen halten, wie wir es in der Welt mit jedermann, auch mit den ärgsten Feinden tun müssen, das gehe seinen Weg in diesem Leben und weltlichen Wesen, darüber haben wir nichts zu streiten. Aber um der Lehre und christlichen Gemeinschaft willen wollen wir nichts mit ihnen zu tun haben, noch sie für Brüder, sondern für Feinde halten, weil sie auf ihrem Irrtum wissentlich beharren, und (wir wollen) gegen sie durch unsern geistlichen Kampf kämpfen.

Martin Luther; Aus einer Predigt am 21. Sonntag nach Trinitatis über Eph. 6, 10 ff. (WA 34 ||, 387, 8-32)

 

....Nun, in jenen Tagen (der ersten Christenheit) sagten die Heiligen nicht, wie die falschen Heiligen jetzt tun: >>Wir müssen sehr milde sein und diesem Bruder seine Meinung lassen; er sieht die Wahrheit von einem anderen Standpunkt an und hat eine andere Art, sie auszudrücken, aber seine Meinungen sind so gut wie unsere eigenen, und wir müssen nicht sagen, dass er im Irrtum sei. << Das ist gegenwärtig die gebräuchliche Weise, mit göttlicher Wahrheit zu tändeln und allen Angenehmes zu sagen. So wird das Evangelium verfälscht und >>ein anderes Evangelium<< verbreitet.

Ich möchte die neuen liberalen Theologen wohl fragen, ob es irgendeine Wahrheit irgendeiner Art gäbe, die es wert wäre, dass ein Mensch dafür sich verbrennen ließe oder ins Gefängnis ginge. Ich glaube nicht, dass sie mir eine Antwort geben könnte; denn wenn ihre Art von Weitherzigkeit das richtige wäre, so würden die Märtyrer Narren erster Größe gewesen sein. Nach dem, was ich von ihren Schriften und ihren Lehren sehe, scheint es mir, dass die neueren Denker den ganzen Gehalt der geoffenbarten Wahrheit mit gänzlicher Gleichgültigkeit behandeln. Obgleich es ihnen vielleicht leid tut, dass wildere Geister zu weit im Freidenken gehen, und obgleich sie vielleicht wünschten, dass diese gemäßigter wären, so ist doch im Ganzen ihre Liberalität so groß, dass sie keiner Sache gewiß genug sind, um das Gegenteil davon als tödlichen Irrtum verdammen zu können.

Für sie sind Schwarz und Weiß Ausdrücke, die man auf dieselbe Farbe anwenden kann, wenn man sie von verschiedenen Standpunkten betrachtet. Ja und Nein sind gleich wahr nach ihrer Schätzung. Ihre Theologie wechselt wie die Sandbänke von Goodwin, und sie betrachten alle Festigkeit als Engstirnigkeit. Irrtümer und Wahrheiten sind gleichermaßen einbegriffen in dem Kreis ihrer christlichen Liebe.

Diese Weise war es nicht, in welcher die Apostel den Irrtum beurteilten.

Sie mahnten nicht zu weitherziger Milde gegen Falschheit und stellten nicht den Irrenden als einen tiefen Denker dar, dessen Ansichten >>von erfrischender Originalität<< seien; weit weniger noch äußerten sie gottlosen Unsinn über die Wahrscheinlichkeit, dass im ehrlichen Zweifel mehr Glaube lebe als in der Hälfte aller Glaubensbekenntnisse.

Sie glaubten nicht an die Rechtfertigung durch den Zweifel, wie unsere Modernen es tun, sie bemühten sich, den Irrenden Bruder zu bekehren; sie betrachteten ihn als einen, der Bekehrung nötig hatte, und als einen, der, wenn er nicht bekehrt würde, den Tod seiner Seele erleiden und mit einer Menge Sünden bedeckt sein würde.

Sie nahmen es nicht so leicht wie unsere gebildeten Freunde von der Schule des >>Neuen Denkens<<, die endlich gelernt haben, dass ein Mensch die Gottheit Christi leugnen, das Werk des Heiligen Geistes ignorieren, die Inspiration verwerfen, an die Versöhnung nicht glauben, die Wiedergeburt für unnötig erachten und bei all diesem doch ein ebenso guter Christ sein kann wie der frömmste Gläubige! O Gott, befreie uns von diesem trügerischen Unglauben.

Aus: Charles Haddon Spurgeon: Ratschläge für Seelengewinner.

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